Mindestens haltbar bis oder schädlich ab?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (oder kurz MHD) ist ein häufig diskutiertes Thema. Es wird schnell als Grund dafür genommen, warum Lebensmittel ungeöffnet in den Müll wandern. Meiner Meinung nach nutzen wir das Datum auch als eine Art Gewissensberuhigung: „Ich hätte es ja noch verwendet, aber das MHD war bereits überschritten. Da hab ich die Packung lieber vorsichtshalber entsorgt.“ Wenn wir aber ehrlich zu uns sind, ist das meistens so nicht ganz wahr. Wahrscheinlich hätten wir das Lebensmittel eh nicht verwendet. Auch wenn das MHD noch nicht überschritten wäre. Aber es ist natürlich einfacher zu sagen, dass das MHD Schuld ist. Wer mag schon zugeben, dass man einfach keine Verwendung für das Produkt hatte und es jetzt entsorgt hat. Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum – im Gegensatz zur allgemeinen  Meinung – kein Indiz dafür, dass ein Produkt nicht mehr verzehrbar ist. Denn es steht ja schon im Namen mindestens haltbar und nicht schädlich ab
 

Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Verbrauchsdatum

Es gibt zwei unterschiedliche Daten: Das Verbrauchsdatum und das Mindesthaltbarkeitsdatum. Das Verbrauchsdatum gibt an, bis wann ein Lebensmittel spätestens verbraucht werden muss. Wenn das Verbrauchsdatum überschritten ist, sollte man die Produkte tatsächlich lieber nicht mehr verzehren. Sie könnten schädlich für die Gesundheit sein. Das Verbrauchsdatum ist auf der Verpackung deutlich mit „zu verbrauchen bis…“ gekennzeichnet. Diese Regelung gilt aber nur für Lebensmittel, die leicht verderblich sind. Dazu zählen:
 

  • Hackfleisch sowie frische Fleisch- und Geflügelprodukte
  • roher oder geräucherter Fisch
  • geschnittene Salate sowie Feinkostsalate
  • frische Rohmilch (nicht Vollmilch)

 
Wie ihr seht ist die Liste wirklich überschaubar und irgendwie auch logisch. Schließlich wird ja Kindern bereits gesagt, dass man bei rohem Fleisch oder Fisch vorsichtig sein soll.
 
Alle anderen Lebensmittel, die nicht auf der Liste oben stehen, werden mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum ausgezeichnet. Und das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Indiz dafür, dass die Lebensmittel nach Überschreiten des Datums gesundheitsschädlich sein könnten. Und trotzdem schmeissen wir jedes Jahr unglaublich viele verschlossene Lebensmittel weg. Nur, weil das MHD überschritten ist. Ganz verwunderlich ist das aber nicht. So werden in den Supermärkten z.B. Lebensmittel, die kurz davor stehen „abzulaufen“, bereits aussortiert, stark reduziert oder weggeworfen. Und „abgelaufene“ Lebensmittel werden gar nicht mehr verkauft. Da kann einem schon einmal der Gedanke kommen, dass Lebensmittel, die das MHD überschritten haben, nicht mehr gut sein können. Oder?
 

Was bedeutet mindestens haltbar eigentlich?

 
Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert der Hersteller die Unversehrtheit des Produkts. Das heißt, dass bis zum Erreichen des Datums der Geschmack, die Farbe, sowie die Form und Konsistenz unverändert bleiben. Das hört sich jetzt erst Mal „wissenschaftlich“ an, ist aber eigentlich ganz einfach. Nehmen wir das Beispiel Joghurt. Der Hersteller sagt, dass sich der Joghurt bei richtiger Lagerung bis zum MHD im Geschmack sowie seiner Konsistenz bzw. Form nicht verändert. Nach Überschreiten des MHDs ist der Joghurt deswegen aber noch lange nicht ungenießbar oder gar gesundheitsschädlich. Es kann aber sein, dass sich die Konsistenz des Joghurts verändert hat. Zum Beispiel kann sich Molke von dem festen Bestandteil absetzt haben. Essbar und gesund ist der Joghurt deswegen aber immer noch. Und sobald man ihn einmal umrührt, verbinden sich auch wieder die Molke und die festen Bestandteile.
 

Der Hersteller vergibt das MHD eigenständig

Ein weiter wichtiger Punkt ist, dass das Gesetz dem Hersteller zwar vorschreibt, ein Mindesthaltbarkeitsdatum anzugeben. Gegebenenfalls muss er auch die Lagerbedingungen angeben, wenn diese Auswirkung auf die Haltbarkeit haben. Das können z.B. bestimmte Temperaturangaben sein. Das Datum selbst vergibt der Hersteller jedoch eigenmächtig. Sozusagen aufgrund seiner Erfahrung mit dem Produkt. Es gibt also keine Vorgabe, wie viele Tage ein Joghurt mindestens haltbar sein muss. Hier liegt die Verantwortung beim Hersteller. Dieser wird mit Sicherheit (Über-)Vorsicht walten lassen bei der Vergabe des Mindesthaltbarkeitsdatums. Das ist auch verständlich, schließlich möchte kein Hersteller schlechte Nachrichten haben („Supermarkt X zieht wegen Y Produkt Z aus dem Verkehr“). Oder schlimmstenfalls rechtlich belangt werden, wenn eines seiner Produkte doch mal nicht mehr essbar war nach Überschreitung des MHD. Und zweitens – und das ist ein weiteres Argument für den Hersteller – erhöht man schließlich auch die Kaufhäufigkeit, wenn ein Produkt kürzer haltbar ist.
 

Woher weiß ich, ob Lebensmittel noch genießbar sind?

Eines möchte ich vorwegnehmen: Verlasst euch bitte immer auf eure Sinne und euren Menschenverstand. Auch ein MHD ist keine Garantie dafür, dass Lebensmittel noch einwandfrei sind. Verlasst euch also nicht bloß auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Überprüft lieber anhand folgender Kriterien, ob das Produkt noch essbar ist:
 

  • Aussehen: Ist sichtbarer Schimmel erkennbar? Sieht die Farbe anders aus?
  • Geruch: Ist der Geruch untypisch für das Produkt? Riecht es stark säuerlich oder unangenehmen?
  • Geschmack: Ist der Geschmack anders als sonst? Schmeckt es sauer oder unangenehm?

 
Trifft einer der drei genannten Punkte zu, ist das Produkt nicht mehr für den Verzehr geeignet. Dann sollte es lieber entsorgt werden. Auch hier gilt, Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ein Produkt noch genießbar ist, fragt eine andere Person aus eurem Haushalt. Wenn beide denken, dass es säuerlich ist, dann ist die Lage klar. Und wenn es nicht mehr vermeidbar ist, dann müsst ihr das Produkt entsprechend entsorgen. Denn dann bedeutet es nicht mehr mindestens haltbar. Sondern es könnte tatsächlich gesundheitsschädlich sein.
 
Besser wäre es aber natürlich, wenn ihr den Inhalt eures Kühl- oder Vorratsschranks aufesst, bevor etwas schlecht wird und deswegen weggeworfen werden muss. Wenn ihr Ideen braucht, was ihr aus den Lebensmittel machen könnt, schaut doch mal in der Rezeptübersicht vorbei.
 
 
 

Quellen (Stand 28.12.2018):

https://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/ZuGutFuerDieTonne/_Texte/Mindesthaltbarkeit_kein_Verfallsdatum.html
https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/GlossarEntry/M/Mindesthaltbarkeitsdatum.html?nn=1401078
https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/das-mindesthaltbarkeitsdatum-ist-kein-verfallsdatum
https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/das-verbrauchsdatum-ist-ernst-zu-nehmen
https://www.lebensmittelpraxis.de/zentrale-management/19160-recht-sicher-geht-vor.html



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